Nach ca. 1,5 Jahren dachte ich mir heute das es mal wieder an der Zeit wäre meinen Monitoring-Tool-Vergleich zu aktualisieren. Schließlich musste ich nach 30 Minuten Recherche feststellen, dass mich die Rohrkrepierer der vergangenen Jahre nicht im Stich gelassen haben und weiter mit einem hohen Grad an Inaktivität glänzen. Auch die anderen Projekte blieben im Groben meiner Einschätzung treu und so war ich schon kurz davor meinen Texteditor zu schließen.

Beim Schließen eines der Browser-Tabs bin ich dann jedoch auf ein schönes Video meiner Freunde von Nagios gestoßen und das musste ich einfach verarbeiten. Dazu aber erst am Ende mehr, denn ihr sollt das Ergebnis meiner Arbeit ja auch erstmal lesen.
Wie auch in den vergangenen Posts behandle ich hier nur die Systeme, welche aus dem ursprünglichen Nagios-Ökosystem entsprungen sind. Wer es gerne etwas breiter haben möchte, dem sei der Besuch der diesjährigen OSMC besonders ans Herz gelegt. Noch nie hatten wir so ein vielfältiges und umfangreiches Programm wie 2018 und freuen uns auf viele bekannte aber auch uns unbekannte Referenten. Auf jeden Fall anmelden und dabei sein.
Los geht’s mit einem gekürzten Update und Überblick der aktuellen Landschaft:

Fazit: Ich werde es in Zukunft nicht mehr weiter betrachten, da es sich mit Shinken etwa so verhält wie mit Bratwurstgehäck. Ne gute Idee, wenn es frisch ist, jedoch sollte man die Finger davon lassen wenn es zu lange rumliegt.

Fazit: Ich denke noch immer, dass Op5, besser gesagt Op5 Monitor, eine solide Unternehmenslösung ist, mit der man sehr viele Anwendungsfälle lösen kann. Wie bei allen Veredlern ist der Schritt über den Standard hinaus immer etwas schwieriger, aber zugegeben braucht das auch nicht jeder. Open Source ist es natürlich nur bedingt, da die Kernkomponenten zwar offen entwickelt werden, aber die fertige Lösung natürlich der USP von Op5 und somit kostenpflichtig ist.
Check_MK: Erstmal Gratulation zur neuen Website und dem Rebranding! Nachdem ich dort schon einige Monate nicht mehr war, ist mir das als erstes positiv aufgefallen. Beim Rest scheint sich im Großen und Ganzen nicht viel verändert zu haben. Das will jetzt nicht heissen das die Kollegen aus München nichts machen, aber ich kann einfach nichts finden. Auf der Website wurde die Screenshot-Section bereits aktualisiert, aber das Demo System hat zumindest noch das alte Design. Auch das Changelog gibt mir keinen Aufschluss auf grundlegend neues, sondern listet überwiegend Bugfixes. Falls jemand der es besser weiß die entsprechenden Infos für mich hat werde ich es gerne nachtragen. Ich hab mir noch ein paar Videos von der Check_MK Konferenz reingezogen, konnte aber nichts finden, was mir jetzt besonders aufgefallen ist.
Fazit: Wenn ich mir ansehe, was die Kollegen so voran treibt, verhält es sich im Fazit ähnlich wie bei Op5. Wenngleich mir bei Op5 das Webinterface besser gefällt, vermute ich das Check_MK die technisch stärkere Lösung ist, da sie sich den käuflichen Varianten auch vom Nagios-Core befreit hat und schon seit vielen Jahren seinen CMC verwendet. Auch gibt es eine API, aber auch Check_MK ist aus meiner Sicht nicht für Automatisierung gemacht, sondern verfolgt einen ganzheitlichen und integrierten Ansatz. Check_MK kümmert sich selbst um Verteilung und Installation seiner Software und zielt auf einen Markt ab, der eine vollintegrierte Lösung haben möchte. Richtig sinnvoll geht das dann aber nur mit der Enterprise- oder Managed-Service Edition.

Fazit: Wer keine Lust, keine Zeit oder einfach keine Not hat, einzelne Monitoring-Komponenten zu installieren und anschließend zu konfigurieren, dem möchte ich OMD Labs ans Herz legen. Es ist eine solide und offene Open Source Lösung, welche kontinuierlich weiterentwickelt wird und stark vom Service-Know der beteiligten Personen profitiert. In Richtung Management-Sichten, Reporting usw. hat Check_MK mit Sicherheit mehr zu bieten, aber eben erst in den bezahlten Versionen. Hinzu kommt, dass es um OMD herum einen Community gibt und die ehemalige Check_MK Community in andere Kanäle abgewandert ist. Wer übrigens alternativ zu RRD Graphen will, kann das mit der Check_MK Raw Edition ebenfalls nicht machen und sollte gleich OMD nehmen.
Naemon: Sowohl OMD Labs („Hauptcore“) als auch Op5 setzen auf Naemon als Monitoring-Engine. Neben Sven Nierlein schrauben auch einige andere Entwickler an Naemon und es gibt regelmäßig neue Versionen. Bei den Änderungen scheint es sich jedoch eher um kleinere Bug-Fixes und Änderungen zu halten und es sieht nicht so aus, als ob grundlegende Änderungen erfolgen. Grundsätzlich ist das aus der Perspektive der oben genannten Hauptnutzer auch verständlich, da sie die fehlenden Features des Cores in den Frameworks drum herum übernehmen. Beispiel wäre hier API oder direkt Graphing-Integration. Naemon wiederum besteht auch aus dem Core, Livestatus und Thruk als Ersatz für die alten Nagios-CGIs. Aus meiner Sicht ist nicht zu erwarten das hier groß etwas passiert, jedoch können User im Vergleich zu Shinken durchaus davon ausgehen, das auftretende Issues bearbeitet werden und zeitnah in eine Release fließen.
Fazit: Ich persönlich wüsste nicht warum man Naemon standalone einsetzen sollte und würde Interessenten gleich zur Verwendung von OMD Labs raten. Dort bekommen sie zum einen die notwendigen Add-ons mit dazu und können gleich das vorhandene Site-Management nutzen. Als simples Monitoring im kleinen Umfeld mag es aber durchaus seinen Dienst verrichten. Wer am Core selber etwas mehr Features benötigt ist mit Icinga2 sicherlich besser bedient, muss sich dann aber natürlich mit einer anderen Konfigurationssprache auseinandersetzen.

Fazit: Ehrlich gesagt weiß ich zu wenig um deren aktuellen Entwicklungsstand um wirklich ein Fazit abzugeben. Um einen Eindruck zu gewinnen empfehle ich den Besuch des Demo-Systems, was wirklich solide aussieht und viele Features mitbringt, welche Op5 oder Check_MK nur gegen Einwurf von Münzen zur Verfügung stellen. Ich freue mich, dass Centreon dieses Jahr auch wieder auf der OSMC dabei ist und werde die Gelegenheit nutzen mit den Damen und Herren zu sprechen und mir das System zeigen zu lassen. Wenn ein Leser dieses Posts noch ein paar Anregungen dazu hat, dann bitte her damit.

Fazit: Icinga ist dann das richtige Werkzeug, wenn man die am Markt befindlichen Lösungen für Metriken, Logmanagement, Konfigurationsmanagement usw. nach dem best-of-breed Ansatz kombinieren will. Der Anwender muss hier definitiv ein bisschen mehr Hand anlegen, um die unterschiedlichen Lösungen zusammenzubauen, profitiert dann aber auch von der Flexibilität, die er sich damit erarbeitet hat.
Das Fazit hat sich im Vergleich zum Vorjahr lustigerweise nicht geändert, wenngleich wir in vielen Punkten in Richtung einer besseren Integration und leichteren Installation arbeiten. Aber dazu gibt es in den nächsten Monaten noch vieles zu erzählen 🙂

- Auch Nagios hat sich vor vielen Jahren versucht die unterschiedlichen Projekte zu vergleichen und scheinbar haben sie diese Vergleiche auch ab und an aktualisiert. Die Vergleiche sind leider für jedes andere Produkt absolut lächerlich und entbehren jeder Grundlage. Dacia vergleicht sich ja in der Regel auch nicht mit Audi.
- Ich hab mit der Demo ihres Log-Servers, Produktname Nagios Log Server, etwas gespielt und finde das Produkt eigentlich nicht schlecht. Wie bei Op5 stellt sich mir zwar die Frage ob man mit einer reinen Open Source Variante wie Elastic(Stack) oder Graylog nicht besser fährt, aber ich habe den Eindruck das man sich bei dem Produkt Mühe gegeben hat.
- Am Core wird eigentlich nach wie vor „nichts“ gemacht. Zwar gab es im letzten Jahr eine Enhancement-Release (4.4.0), aber das war eher auch nur Kleinigkeiten. Wie weit Nagios und Naemon da in der Zwischenzeit auseinander sind kann ich schwer beurteilen, ich habe aber nicht den Eindruck, dass es signifikante Unterschied. Im Vergleich zu den anderen Veredlern hätte Nagios ja eigentlich alles in der Hand, aber scheinbar keinen Druck, Not oder auch Know-how.
Fazit: Es ist mir schleierhaft, wie und warum Nagios sich noch immer gegen andere Veredler wie Naemon oder Op5 durchsetzen kann. Klar haben sich alle anderen über die letzten Jahre vom Nagios-Core entkoppelt und sind nicht mehr auf Nagios angewiesen. Auf der anderen Seite sind alle anderen wesentlich innovativer, wenn es um das komplette Produkt geht.
Das oben angesprochene Highlight ist für mich jedoch das Nagios-Produkt-Video, welches ich auf der Landing-Page gefunden habe. Das Video mit dem Titel „Nagios – Customers First“ bewirbt so ziemlich jede Branche auf dem Planeten, sagt aber ca. nix über Monitoring aus. Aber unterhaltsam ist es, daher bitte sehr:
https://www.youtube.com/watch?v=yiIyy4oh-rw&feature=youtu.be
Für Feedback bin ich gerne offen und wenn sich jemand ungerecht behandelt fühlt, möge sie oder er es mich bitte wissen lassen. Wenn es darauf hin etwas zu korrigieren oder klarzustellen gibt, werde ich das auch machen.

























Hallo Bernd,
vielen Dank für den dritten Vergleich – hat mal wieder Spaß gemacht ihn zu lesen. 🙂
Centreon hatte ich bisher noch gar nicht auf dem Schirm. Das werde ich mir mal näher anschauen, auch wenn Icinga2 nach wie vor die erste Wahl sein wird. 😉
Gruß, Christian.
Hi Bernd,
danke für das Update über den Stand der aktuellen Umgebungen.
Grüße
Bastian
Hallo Bernd,
Danke für deinen Beitrag