Generative KI verändert den IT-Arbeitsmarkt – Eine Studie aus der Schweiz gibt erste konkrete Erkenntnisse

11 März, 2026

Bernd Erk
Bernd Erk
CEO

Bernd ist Geschäftsführer der NETWAYS Gruppe und verantwortet die Strategie und das Tagesgeschäft. Bei NETWAYS kümmert er sich eigentlich um alles, was andere nicht machen wollen oder können (meistens eher wollen). Darüber hinaus startete er früher das wöchentliche Lexware-Backup, welches er nun endlich automatisiert hat. So investiert er seine ganze Energie in den Rest der Truppe und versucht für kollektives Glück zu sorgen. In seiner Freizeit macht er mit sinnlosen Ideen seine Frau verrückt und verbündet sich dafür mit seinen beiden Söhnen und seiner Tochter.

von | März 11, 2026

Generative KI gehört für viele von uns inzwischen ganz selbstverständlich zum Arbeitsalltag. Ob beim Schreiben kleiner Skripte, beim Analysieren von Logs oder beim Formulieren von Dokumentation – Tools wie ChatGPT oder Claude sind längst Teil des Werkzeugkastens geworden. Eine aktuelle Studie aus der Schweiz zeigt nun erstmals, dass sich diese Entwicklung auch im IT-Arbeitsmarkt messbar widerspiegelt.

KI im IT-Alltag ist längst angekommen

Wer heute in der IT arbeitet – egal ob als Entwickler:in, Administrator:in, im DevOps-Umfeld oder im Bereich Infrastruktur – kommt an generativer KI kaum noch vorbei. Viele haben vermutlich längst ihre eigenen kleinen Workflows entwickelt: ein Shell-Snippet generieren lassen, eine kryptische Fehlermeldung erklären lassen oder eine erste Version einer Dokumentation formulieren. Auch beim Strukturieren von Konfigurationen, beim Verständnis von Logs oder beim schnellen Überblick über komplexe Codeabschnitte kann KI inzwischen erstaunlich hilfreich sein.

Für viele fühlt sich das weniger wie eine große technologische Revolution an, sondern eher wie ein weiteres Werkzeug im Alltag – ein bisschen so wie früher Stack Overflow, nur direkter und oft schneller. Gerade deshalb ist die oben genannte Studie so interessant. Nicht, weil sie zeigt, dass KI plötzlich alles verändert. Sondern weil sie erstmals versucht, diese Veränderungen anhand realer Arbeitsmarktdaten sichtbar zu machen.

Wie generative KI den IT-Arbeitsmarkt beeinflusst

Die Studie untersucht, wie sich der Schweizer Arbeitsmarkt seit dem Auftauchen großer Sprachmodelle Ende 2022 entwickelt hat. Dafür werden zwei umfangreiche Datensätze kombiniert: Arbeitslosenregisterdaten sowie eine sehr große Sammlung von Online-Stellenanzeigen. Berufe werden danach gruppiert, wie stark ihre typischen Tätigkeiten durch generative KI beeinflusst werden könnten. Anschließend vergleichen die Forschenden, wie sich diese Gruppen seit der Einführung von ChatGPT entwickelt haben.

Das Ergebnis zeigt ein klares Muster: In Berufen mit hoher KI-Exposition entwickelte sich der Arbeitsmarkt relativ schwächer als in Berufen, deren Tätigkeiten weniger stark durch generative KI beeinflusst werden können. Konkret bedeutet das, dass die Zahl arbeitsloser Stellensuchender in diesen Berufen stärker anstieg, während gleichzeitig weniger neue Stellen ausgeschrieben wurden. In den Modellrechnungen liegt der relative Effekt bei der Arbeitslosigkeit bei bis zu 27 Prozent. Bei den Stellenanzeigen zeigt sich ein Rückgang von rund 38 Prozent relativ zu weniger exponierten Berufen. 

IT-Jobs gehören zu den KI-exponierten Tätigkeiten

Interessant wird es, wenn man sich anschaut, welche Tätigkeiten besonders stark von generativer KI beeinflusst werden könnten. Neben klassischen Büro- und Kommunikationsberufen tauchen dort auch viele Rollen aus dem IT-Umfeld auf – etwa Softwareentwicklung, Datenbankentwicklung oder Webentwicklung.

Für viele Menschen aus der IT ist das allerdings wenig überraschend. Ein großer Teil moderner Wissensarbeit besteht aus Tätigkeiten wie Strukturieren, Analysieren, Formulieren oder Generieren von Text und Code. Genau in diesen Bereichen sind große Sprachmodelle besonders stark. Neu ist also nicht unbedingt, dass generative KI diese Arbeit beeinflusst – das merken viele Entwickler:innen, Administrator:innen und DevOps-Teams im Alltag bereits seit einiger Zeit. Neu ist vielmehr, dass sich dieser Effekt inzwischen auch im Arbeitsmarkt beobachten lässt.

Bedeutet KI weniger Jobs in der IT?

Die Studie selbst warnt davor, daraus vorschnelle Schlüsse zu ziehen. Sie misst vor allem relative Unterschiede zwischen Berufsgruppen. Das bedeutet: Sie zeigt, wo sich erste Verschiebungen abzeichnen, sagt aber nicht, dass ganze Berufsfelder verschwinden oder der Arbeitsmarkt insgesamt einbricht.

Im Gegenteil: Die Gesamtbeschäftigung in der Schweiz ist im untersuchten Zeitraum sogar gestiegen. Produktivitätsgewinne durch KI können also gleichzeitig neue Tätigkeiten und neue Nachfrage erzeugen – diese Effekte werden in der Analyse nur teilweise abgebildet.

Was wir vermutlich eher sehen, ist eine Veränderung von Aufgaben innerhalb bestehender Rollen. Viele Tätigkeiten, die früher relativ viel Zeit gekostet haben – etwa kleine Skripte schreiben, Dokumentation strukturieren oder Fehlermeldungen analysieren – lassen sich heute deutlich schneller erledigen. Dadurch verändern sich nicht unbedingt ganze Berufe, aber sehr wohl Teile des Arbeitsalltags.

Der Einstieg in IT-Berufe könnte sich verändern

Ein Punkt der Studie ist besonders interessant: Die Effekte scheinen bei jüngeren Beschäftigten stärker zu sein. Das passt durchaus zu dem, was viele Teams aus der Praxis kennen. Gerade am Anfang einer IT-Karriere bestehen viele Aufgaben aus Tätigkeiten, die sich gut automatisieren oder beschleunigen lassen. Wenn generative KI solche Aufgaben effizienter macht, verändert sich zwangsläufig auch die Struktur von Teams und Einstiegsrollen.

Das bedeutet nicht, dass Junior-Positionen verschwinden. Aber es könnte bedeuten, dass sich der Einstieg in manche IT-Berufe verändert und sich der Fokus stärker auf Verständnis, Architektur und Problemlösung verschiebt. Vor ein paar Wochen, habe ich zu diesem Thema schon eine Präsentation auf LinkedIn bereitgestellt, welche das Thema genauer beleuchtet.

Was bedeutet das für den IT-Arbeitsmarkt in Deutschland?

Die Studie bezieht sich ausschließlich auf den Schweizer Arbeitsmarkt, eine direkte Übertragung auf Deutschland wäre daher zu einfach. Dennoch ist der Blick durchaus relevant. Deutschland hat ebenfalls einen großen Anteil wissensintensiver Berufe – insbesondere im IT- und Technologiebereich. Viele dieser Tätigkeiten gehören laut Studie zu den Bereichen mit hoher KI-Exposition. Es wäre daher eher überraschend, wenn sich langfristig keine ähnlichen Entwicklungen auch im deutschen IT-Arbeitsmarkt zeigen würden.

Fazit

Viele Menschen in der IT erleben bereits im Alltag, wie stark generative KI bestimmte Aufgaben beschleunigen kann. Die Schweizer Studie zeigt nun, dass sich diese Veränderungen zunehmend auch im Arbeitsmarkt widerspiegeln – nicht als dramatischer Umbruch, sondern eher als langsamer Wandel von Aufgaben, Rollen und Einstiegswegen.

Für die IT ist das letztlich nichts völlig Neues. Technologische Veränderungen haben unsere Arbeit schon immer geprägt. Der Unterschied diesmal ist vor allem die Geschwindigkeit. Und genau deshalb lohnt es sich, diese Entwicklung aufmerksam zu beobachten.

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