Mal ehrlich, wer hat denn kein Facebook Profil, ist nicht bei LinkedIn, WhatsApp oder Twitter? Ich vermute: Die wenigsten! Denn ohne geht es heute kaum noch. Da werden Termine nur noch über Gruppen kommuniziert oder der Arbeitgeber macht sich ein Bild über einen potentiellen Bewerber. Man will ja dabei sein, sich gut verkaufen, nicht wahr?

Am besten legt man sich mal ein Profil an. Aber was ist denn eigentlich ein Profil und vor allem, ist das jetzt gut oder schlecht? Die Geschichte des Profils ist noch gar nicht so alt: Die Idee des Profils entstand im frühen 20. Jahrhundert als erstmals russische Psychotechniker Profile von schwer erziehbaren Kindern erstellen. Nach dem 2. Weltkrieg adaptiert die USA das Modell und entwickelt es bis heute weiter – Wer kennt nicht einige Filme, welche das FBI in der 70er Jahren zeigt, wie man Profile von psychiatrisch Internierten oder Schwerverbrechern anlegte?

Jaja, der Einstieg ist erstmal hart – Sorry!

Aber er bildet die Basis sich zu fragen warum wir uns freiwillig kriminaltechnischen Instrumenten unterwerfen, die ursprünglich einen ganz anderen Zweck hatten. Es gilt nämlich mittlerweile durchaus als Auffälligkeit, kein Profil vorweisen zu können – wie zum Beispiel die meisten Amokläufer aus den USA. Mit der Möglichkeit, Computer zuhause zu betreiben und mit dem “unkontrollierbaren” Raum des Internets wurde erstmals ein individuelles Freiheitsgefühl empfunden. Das machte uns zu unregierbaren Wesen, oder?

Doch davon ist wenig übrig geblieben: Onlineauftritte und Ortungsdienste stehen der früheren Vorstellung gegenüber und man de-virtualisiert die gewonnene Freiheit zurück in real existierende Räume: Man möchte schließlich die Gewissheit einer echten Person hinter jedem Profil erreichen.

Man meint ja fast, es steckt eine marktwirtschaftliche Intelligenz dahinter, welche ihre vermeintliche Philosophie damit durchsetzen möchte. Egal, die lückenlose Erfassung könnte in einem Überwachungsstatt nicht besser funktionieren und wir geben einfach den Regierungsauftrag an einen entsprechenden Uhrenhersteller ab. Übrigens: Noch vor 30 Jahren (1987) wehrte sich man gegen die Volkszählung und boykottierte jegliche Erhebung von Daten: Human ist, was nicht erfassbar ist!

Heute gilt: Human ist (nur noch), was erfasst worden ist! Oder?

Wer sich an die 80er nicht mehr erinnert, der kann das hier noch nachholen.

 

Quellen: Andreas Bernard – Komplizen des Erkennungsdienstes

Marius Hein

Autor: Marius Hein

Marius Hein ist schon seit 2003 bei NETWAYS. Er hat hier seine Ausbildung zum Fachinformatiker absolviert, dann als Application Developer gearbeitet und ist nun Leiter der Softwareentwicklung. Ausserdem ist er Mitglied im Icinga Team und verantwortet dort das Icinga Web.