Wer kennt diese Situation nicht: In einem langweiligen Meeting schweifen die Gedanken ab und man plant innerlich das Abendessen, richtet sich sein Wohnzimmer ein oder den nächsten Urlaub. Man ist in einem Tagtraum versunken.

Meistens wird man dann kalt erwischt, fühlt sich erstmal angeschossen und muss sich mühsam wieder auf die Außenwelt konzentrieren und seinen Fokus neu ausrichten. Generell wird diese Art des Abschweifens als Ineffektivität angesehen und man wird entsprechend Missmut bei seinen Kollegen ernten. Wenn man sich mit diesem Phänomen beschäftigt stellt man fest, dass man seine – eventuell – negative Einstellung überdenken sollte!

Und Warum?

Die Theorie dahinter ist die Pflege zweier Systeme. Einmal die Außenwelt, die permanent um uns herum stattfindet und unsere aktive Aufmerksamkeit fordert. Und unsere Innenansicht, mit der wir unser Privatleben planen, Ideen entwickeln oder im Allgemeinen mit Eindrücken experimentieren, welche hängen geblieben sind.

Was passiert?

Man spricht von einer traceartigen Abwesenheit oder leichten Bewusstseinserweiterungen. Knapp die Hälfte unserer Wachzeit verbringen wir in einer solchen Trance und das Gehirn verbraucht dabei 20 mal mehr Energie, als bei der Verarbeitung von bewussten Prozessen. Der Übergang ist fließend und man gleitet, ohne es zu merken, aus der kognitiven Aufmerksamkeit und entsprechende Reize aus der Umwelt werden gedämpft und die Aufmerksamkeit wird auf diese Weise “entfernt”. Innerhalb des Gehirns wird jetzt das Default mode network (DMN) aktiviert. Eine Region die für das “Nichtstun” verantwortlich ist. Nach spätestens 15 Sekunden ist dann wieder alles vorbei und unser „Kopf“ oszilliert zurück in die Gegenwart.

Ein gutes Beispiel hierfür ist Autofahren. Man fährt morgens in die Arbeit und kann sich am Ziel nicht mehr an die Gegebenheiten der Strecke erinnern. “War die letzte Ampel jetzt Rot oder Grün?” – Keine Ahnung.

Was ist daran gut?

Neben der inneren Planung können besonders kreative Menschen das “abdriften” kognitiv beeinflussen: Man begibt sich aktiv in eine bestimmte gedankliche Situation und entfernt dann die Aufmerksamkeit. Die größten wissenschaftlichen Errungenschaften kamen auf diese Weise zustande oder einige der besten klassischen Stücke der Romantik sind dabei entstanden. Man weiß von Albert Einstein zum Beispiel, dass er oft und gerne spazieren ging und dieses Setting als Inkubator nutzte (zudem trug er gerne keine Socken in den Schuhen ;-)). So fiel ihm vermutlich die Relativitätstheorie auf ein mal wie Schuppen von den Augen. Und Johannes Brahms hat bei solchen Spaziergängen oftmals vorbeigehende Personen erst gar nicht erkannt oder wahrgenommen und dudelte in seinem Kopf vermutlich fröhlich weiter.

Und jetzt?

Wir sollten einfach nachsichtiger mit träumenden Kollegen sein. Wer weiß, welche Ideen sie gerade entwickeln oder ob sie gleich mit der perfekten Lösung eines Problems ins Büro schießen!

Tagträume sind unser Lebensnarrativ. Unser innerer Kern birgt oftmals viel mehr Weisheit als wir selbst glauben!

Marius Hein

Autor: Marius Hein

Marius Hein ist schon seit 2003 bei NETWAYS. Er hat hier seine Ausbildung zum Fachinformatiker absolviert, dann als Application Developer gearbeitet und ist nun Leiter der Softwareentwicklung. Ausserdem ist er Mitglied im Icinga Team und verantwortet dort das Icinga Web.