Ihr kennt mich vermutlich, ich bin die Lydia. Habe hier das Monitoring zu verantworten. Höre alles, sehe alles. Schreie laut und schrill, wenn Feuer am Dach ist. Damit mich auch wirklich alle hören. Naja, und neuerdings habe ich einen neuen Director.

Zuerst war ich mehr als skeptisch. Ich bin keine Frau die sich gerne was vorschreiben lässt. Aber er ist ein freundlicher Kerl, mein Herr Director. Ein kollegialer Chef möchte er sein, aber dennoch Herr über meine Arbeit. Überwachungsdirektor sozusagen. Ich muss ja zugeben, dass ich da anfangs so meine Zweifel hatte. Aber anders als der typische Chef schüttet er mich nicht mit Arbeit zu, nein, er macht sie mir sogar leichter.

Director Dashboard v1.1.0

Klar, er ist ein Kontrollfreak, der Herr Director. Will alles wissen, alles sehen. Wer wann was geändert hat, wo das her kam und warum – alles schreibt er mit. Ist natürlich auch irre praktisch, denn normalerweise hatten die immer mich im Verdacht. Bin im Hause ja die Frau Monitoring. Geht etwas daneben, war ich’s. Und ich darf dann nachgraben, wühlen, suchen um irgendwann rauszufinden wer den Change eingestellt hat. Finde ich nichts, hab ich eh verloren.

Das ist jetzt alles ganz anders. Sollen die ihre Schwellwertänderungen doch selbst vornehmen. Neue Hosts eintragen? Dafür braucht ihr doch mich nicht. Ich stelle die entsprechenden Templates bereit, aber von dem alltäglichen Änderungswahnsinn will ich nichts mehr wissen. Seit die selbst verantwortlich sind denken sie auch viel mehr über das nach, was sie da einstellen. Das gefällt mir.

Mittlerweile läuft es so gut, dass ich mich gar nicht mehr ums Deployment kümmere. Das machen die Laufburschen des Herrn Director still und leise im Hintergrund. Die könnten das zwar rund um die Uhr, aber so weit reicht mein Vertrauen dann doch nicht. Weniger in den Director, als vielmehr in meine Kollegen die jetzt jederzeit ihre schrägen Wünsche bei dem einkippen können. Hab ihm also eingetrichtert, dass Änderungen am Monitoring nur zu Bürozeiten ausgerollt werden sollen. Das heißt natürlich nicht vor der Mittagspause und auch nicht kurz vor Feierabend. Man muss sich ja nicht künstlich Arbeit beschaffen.

Meine ganzen alten Konfigurationsbastel-Skripte habe ich längst weggeworfen. Die verstand außer mir eh keiner. Diese Drecksarbeit macht jetzt auch der Herr Director. Der passt da auf wie ein Schießhund, schaut alle paar Minuten in unser Active Directory. Taucht da ein neuer Server auf, wird der sofort überwacht. Wird einer deaktiviert, fliegt er wieder raus. Schöne Sache.

Guter Mann, der Herr Director. In der neuen Version gefällt er mich noch besser. Der darf bleiben. Ich wollte eh mal wieder Urlaub machen.

Thomas Gelf

Autor: Thomas Gelf

Der gebürtige Südtiroler Tom arbeitet als Principal Consultant für Systems Management bei NETWAYS und ist in der Regel immer auf Achse: Entweder vor Ort bei Kunden, als Trainer in unseren Schulungen oder privat beim Skifahren in seiner Heimatstadt Bozen. Neben Icinga und Nagios beschäftigt sich Tom vor allem mit Puppet.