Auf der Nagios Konferenz hatte jemand aus Frankreich das letzte französische GNU Linux Magazin dabei. Ich glaube, um es Ethan zu zeigen oder sogar zu geben, denn darin befindet sich ein längerer Artikel über Nagios. Da wir gemeinsam am selben Tisch in der Hotelbar gesessen sind, habe ich auch einen Blick reingeworfen. Umso erstaunter war ich, als ich darin einen Screenshot aus unserem Nagios Demosystem entdeckt habe. Nämlich die Statusmap, an der wir sicher einige Tage gearbeitet haben, bis sie genau so ausgesehen hat, wie auf dem Bild rechts unten. Normalerweise würde ich mich da eigentlich freuen, aber wir wurden weder um Erlaubnis gefragt, noch hat man unseren Namen als Quelle angegeben. Wir waren aber nicht die einzigen, denn auch aus der Nagios Dokumentation wurden ungefragt einige Bilder übernommen. Ethan hat jedenfalls davon auch nichts gewußt.
Anscheinend ist das auch wieder der weitverbreitete Irrglaube, dass man, nur weil die Software Open Source ist, auch einfach Texte, Bilder und Marken von anderen übernehmen kann ohne nachzufragen. Uns passiert das andauernd, dass wildfremde Leute Texte und manchmal sogar Bilder von unserer Homepage in ihre Webseiten übernehmen. In eine Zeitschrift ist aber auch für uns etwas neues.

Sicherlich ist es rechtens nicht OK. Ich denke der Urheber wird es in diesem Fall verschmerzen. Ja, vielleicht wurde da 2 Tage dran gebaut, aber welcher reale Schaden ist dem Urheber entstanden, ausser einmal “gratis Werbung” weniger? Wobei man auch wieder differenzieren muss, Werbung für Nagios ist es allemal.
Wenn ein interessierter dieses Bild sieht, dann wird er bestenfalls denken “Cool, sowas kann man mit Nagios bauen? Das möchte ich auch haben!”. Schade, bei einer Referenz auf den Urheber könnte er auch denken “Cool, sowas kann Netways uns bieten? Ich möchte das von denen haben”.
Ja, schön ist das nicht. Dabei passiert doch tagtäglich viel “schlimmeres”. Stichwort Open Source Software im Rahmen von Dienstleistungen (aus)nutzen.
Dieser Kommentar ist nicht falsch zu verstehen, das soll keine böse Anspielung sein, ich möchte in diesem Zusammenhang lediglich auf noch größere Misstände hinweisen.
Natürlich gibt es schlimmere Dinge und wir werden auch rechtlich vermutlich nichts dagegen unternehmen, trotzdem ist das im Endeffekt Diebstahl. Noch dazu geht es um eine Zeitschrift. Das ist ein kommerzielles Produkt und kein Open Source Projekt, d.h. die verdienen Geld mit der Arbeit anderer Leute. Das Mindeste, was man erwarten kann, wäre vorher mal anzufragen.
> Das ist ein kommerzielles Produkt und kein Open
> Source Projekt, d.h. die verdienen Geld mit der
> Arbeit anderer Leute. Das Mindeste, was man
> erwarten kann, wäre vorher mal anzufragen.
Ja, und genau DAS ist auch beim (aus)nutzen von Open Source Software so. Jemand macht sich die Arbeit, schreibt ein Programm, setzt es unter die GPL, die Software wird von anderen in sogenannten Dienstleistungen gewinnbringend an Kunden gebracht und der Schreiberling der Software sieht niemals auch nur einen Cent. So ist es defakto, leider viel zu häufig.
Der einzige Unterschied zu den urheberrechtlich geschützten Bildern und Texten ist, dass das Gesetz da mit reinspielt und das eben zum Diebstahl macht. Aber nur weil es nicht widerrechtlich ist mit Open Source Software Geld zu machen und dabei nicht auch mal an die ursprüngliche Quelle der Software zu denken ist auch nicht das Gelbe vom Ei.
Das halte ich für eine falsche Interpretation. In dem Moment wo jemand etwas unter die GPL stellt, was wir mit unserer Software übrigens auch machen, erteilt er ja anderen die Erlaubnis die Software zu benutzen. D.h. da brauche ich nicht zu fragen, denn der andere hat es mir mit der GPL explizit erlaubt. Das ist nicht nur nicht widerrechtlich, sondern bei GPL Software sogar so erwünscht.
Ein weiterer Unterschied ist, dass wir als Open Source Dienstleister unser Geld nicht für die Software bekommen. Denn die besorgen sich unsere Kunden meistens selbst aus dem Internet, sondern für die Hilfe beim Einrichten der Software. Die Zeitschrift bezahlt man aber genau für ihren Inhalt und der ist, in dem speziellen Fall eben teilweise zusammengeklaut.
Wie ich in meinem ersten Posting erwähnt habe, möchte ich nicht unterschwellig böse Unterstellungen äußern. Weder gegen Netways selbst, noch gegen andere.
Sicherlich stellt die GPL jedem die Nutzung dieser Software frei, das möchte ich auch nicht in Frage stellen. Es ist jedoch genau diese Argumentation, die mich persönlich anecken lässt.
GPL Entwickler schreiben Software, meißt in ihrer Freizeit und in dem Willen etwas gutes zu tun. Mir ist auch bewust, dass teilweise Software, die im komerziellen Umfeld entsteht, unter die GPL gestellt wird, das ist auch positiv zu bemerken. Und die Dienstleister, die verkaufen keine Software an sich, sondern eben nur die Einrichtung oder sogar nur die Anleitung zur Einrichtung, rechtlich auch alles OK. Nur moralisch möchte ich das Vorgehen zu bedenken geben. Würden diese Dienstleistungen, deren Inhalt die Einrichtung oder sogar nur die Anleitung zur Einrichtung von GPL-Software auch genauso OHNE die selbige Software möglich sein? Ich behaupte: Nein.
Also: Warum sollte die GPL-Software, die Community dahinter oder aber auch die Entwickler nicht auch was davon zurück bekommen? Denn: Ohne dies alles wäre diese Dienstleistung nicht möglich.
Das von mir angesprochene Problem soll nicht die Problematik hinter den Texten/Bildern in Zeitschriften oder auf Webseiten herunterspielen, natürlich ist das nicht schön und auch bedenklich. Ich bin mir aber auch eigendlich ziemlich sicher, dass eine Urheberrechts-Verletzung nicht im Sinne des besagten Magazins war/ist.
Du hast da grundsätzlich schon recht, dass man als Open Source Anbieter auch wieder was an die Community oder die Autoren der Software zurückfliessen lassen sollte. Das sehen wir ganz genauso. Geht ja schon damit los, dass viel Firmen nichtmal ihre Patches, Bugfixes oder Verbesserungen veröffentlichen, das wäre schonmal das mindeste was man machen kann.
Ich denke wie sehen das genauso, nur finde ich eben, dass man die beiden Sachverhalte nicht unbedingt in einen Topf werfen sollte.